Über uns

Seit ca. 25 Jahren initiieren wir durch unsere Arbeit (Gen-Archiv, Bibliothek, Gesprächsrunden, Patientinnenberatung) kritische Diskussionen über Gen- und Fortpflanzungstechnologien und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik, die Sichtweise auf Gesundheit und Krankheit, die Folgen für das ÄrztInnen/PatientInnen-Verhältnis, etc.

Mit der weitgehenden Etablierung der Gentechnologie in der Medizin hat sich eine veränderte Körpervorstellung bei PatientInnen und ÄrztInnen entwickelt. Der Blick hat sich ausgerichtet auf die molekulare Ebene und ein anderes Krankheitsverständnis erzeugt, das Krankheitserleben hat sich verändert. Es herrscht die Vorstellung, dass Krankheit ein Missverständnis zwischen den Zellen sei, dass Moleküle und Proteine oder gar Genabschnitte für Krankheiten verantwortlich seien. Gesundheit, Krankheit und Wohlbefinden machen sich nicht mehr fest an dem, was Menschen erleben und erfahren, sondern orientieren sich an den ausufernden Behauptungen, welcher Stoff zu welcher Zeit von welchen Genabschnitt gebildet werden müsste bzw. welche genetische Konstitution zu welchen Krankheiten führen wird. Krankheiten sind zu einer statistischen Größe von messbaren molekularen Körperreaktionen geworden und Menschen zu einer Ansammlung von Molekülen, die gentechnologisch gesteuert werden. Heilkundige und Kranke sind in diesem Prozess/in dieser Vorstellung mit ihrem Wissen, Fühlen und darüber Verständigen überflüssig geworden. Wir wollen aber genau dieses Wissen stärken. Deshalb haben wir streitbare Themen wie Pränataldiagnostik, Bioethik, Transplantationsmedizin, AIDS, gentechnologisch hergestellte Pharmaka, Brustkrebs aufgegriffen, in ihrer historischen Entwicklung begleitet, dokumentiert und kritisch kommentiert.

Wir versuchen mit unseren Diskussionen Anregungen für eine grundsätzliche Kritik an dem Denkgebäude dieser Medizin zu geben. Wir versuchen uns Zeit zu nehmen, um über Fragen zu arbeiten, die uns in diesem Zusammenhang wichtig erscheinen, den Blick zu öffnen für scheinbar Unwesentliches und unserem quergestellten Denken ohne Rechtfertigungszwänge freien Lauf zu lassen, um dann eine andere Sicht zu diskutieren und damit wach und präsent zu halten. Wir versuchen solchen gegenläufigen Gedanken/Ideen öffentlich Raum zu geben, in dem wir mit denen darüber diskutieren wollen, die auch Fragen haben und stellen wollen und Interesse an solchen Auseinandersetzungen haben.

[September 2012]