Krankenkassen im Wuppertal

von Stephan Stracke

Die Geschichte der Krankenkassen des Wuppertals des 19. Jahrhundert ist die Geschichte der Handwerker, der FabrikarbeiterInnen, der “nützlichen” und “überflüssigen” Armen, eben eine Geschichte all derer, die als “dangereuses classes” die Honoratiorenschaft der Städte Barmen-Elberfeld erschreckten. So waren die Bemühungen die “soziale Frage” zu entschärfen, immer eine Frage des Überlebens der eigenen Klasse, der Bewahrung der Privilegien und der neu errungenen Stellung in der sich im Umbruch befindenden Gesellschaft.

Die mit Dekorporierung umschriebene Entwicklung ist als Freisetzung ländlicher und städtischer Unterschichten aus der Feudalordnung und als Entfremdung im umfassenden Sinn zu beschreiben: So führte die sicherlich widersprüchliche Verknüpfung von kommunaler Armenpflege und gesamtstaatlicher Freizügigkeit zu einer legalisierten Form von Heimatlosigkeit in den überfüllten Großstädten. Der bisher zur ständischen Ordnung gehörende “Stand der Armut” verlor als Massenarmut alle Dimensionen. So war die Dekorporierung gleichzeitig eine Disproportionierung.

Die Überlagerung und Verschlechterungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen durch kapitalistische Formen wird gerade in Wuppertal spürbar: Die Dequalifikation handwerklicher Arbeit und der Verlust einer Aussicht auf Selbstständigkeit, die Umwandlung von Handwerkertarifen in marktbestimmte Löhne oder Preise, die Wohnverhältnisse außerhalb der Meisterfamilie z.B in Schlafstellen, das Handwerkerwandern im Funktionswandel zur Migrationsarbeit etc. sind Voraussetzungen sozialer Kämpfe in den Jahren des Hungers von 1840.

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